3.1. Mit der Installation beginnt die Arbeit im Netz

Die Einrichtung von Windows für Workgroups entspricht weitgehend dem Installationsverlauf bei Windows 3.1. Sie müssen lediglich mindestens zwei Rechnern eine Netzwerkkarte spendiert und die Geräte korrekt verkabelt haben. Vielfach wird nicht beachtet, daß am Anfang und Ende eines Netzstrangs jedes der beiden Rechner jeweils ein Abschlußwiderstand von maximal 50 Ohm vorhanden sein muß, sonst läuft gar nichts.
Interrupt-Belegungen
Die Anpassung der Netzwerkkarte an die bestehende Hardwareumgebung
IRQ belegt durch
stellt den kritischsten Punkt dar, auch wenn das Setup zumindest
1 Tastatur
die Einstellungen NDIS-kompatibler Netzkarten in der Regel
2 Grafikkarte
korrekt ausliest. Das ändert aber nicht an der Konfliktträchtigkeit,
3 COM2 beziehungsweise COM4
wenn deren Einstellungen bereits von einer anderen Hardwarekomponente
4 COM1 beziehungsweise COM3
belegt werden. Bei der Einstellung von Interrupt und Adresse dürfen Sie
5 parallele Schnittstelle (Drucker): LPT2
nämlich keine bereits belegten Werte (zum Beispiel die der parallelen
6 Floppydisk-Controller
und seriellen Schnittstellen oder anderer Adapter) verwenden (Tabelle).
7 LPT1
Die Hersteller stellen Ihre Karte gern auf Interrupt 5 (mögliche Kollision
8 interne PC-Uhr
mit der Vorbelegung von LPT2) oder gar IRQ (Interrupt Request) 3
9 Redirected IRQ2
(Kollision mit COM2) ein.
10 frei
IDE-Kombicontroller sind praktisch immer mit einer aktivierten
11 möglicherweise SCSI-Controller Default
seriellen COM2-Schnittstelle ausgestattet, an der im Zweifel ein
12 frei
Modem werkelt. Eine zweite parallele Schnittstelle ist zwar weniger verbreitet,
13 Coprozessor
doch wird ihr Platz, besser ihr freier Interrupt, von einer Soundkarte
14 anderer Festplattencontroller
genutzt.
15 frei
Solche Konflikte sorgen entweder dafür, daß Workgroups sich nicht starten läßt
übliche 386- oder 486-PCs mit ISA-Bus oder ISA-Local-Bus
belegen in der Regel festgelegte Standard-Interrupts.
und schlimmstenfalls sogar der Rechner vor dem Erreichen des MS-DOS-Prompts
auf Systemebene kollabiert. Entweder müssen Sie dann die Schnittstelle ausbauen oder die Netzkarte umkonfigurieren. Starten Sie dann das Diagnoseprogramm »msd.exe« von der vierten Workgroups-Installationsdiskette (3 Zoll) oder aus dem Arbeitsverzeichnis einer eventuell vorhandenen Windows-3.1-Installation.
Ein Klick auf »IRQ Status...« ([Alt-Q]) blendet eine Liste über die Belegung der Interrupts ein. Preiswerte 8-Bit-Netzkarten sind nicht nur (für Workgroups normalerweise vernachlässigbar) langsamer als 16-Bit-Karten, sondern erlauben häufig nur, Interrupts bis 10 einzustellen. Gute, aber auch teurere und schnelle 16-Bit-Karten unterstützen IRQs bis 15. 8-Bit Karten sind daher möglicherweise ungeeignet wenn Sie einen reichhaltig bestückten ISA- oder Local-Bus-PC mit Fax- und Soundkarte, CD-ROM-Laufwerk und vielleicht noch einen Streamer einsetzen.
TIPHaben Sie keine zweite parallele Schnittstelle (LPT2) im Rechner, lohnt sich der Versuch, die Netzwerkkarte auf IRQ 5 zu betreiben.
Dieser Wert wird auch häufig als Werkvoreinstellung (Default) benutzt. Verwenden Sie jedoch eine Soundkarte, ist Vorsicht geboten, denn deren Werkeinstellung ist ebenfalls häufig IRQ 5.
Windows für Workgroups initiiert die Grundfunktionen für den Betrieb des Netzwerks auf MS-DOS-Ebene durch entsprechende Einträge in der »autoexec.bat« und der »config.sys«. Der Treiber für die Netzwerkkarte, das Protokoll für den Datenaustausch und das Netzwerk-BIOS (Net-BIOS), das anfragende Anwendungsprogramme steuert, bilden den Kern. Die Steuerzeile des Kartentreibers in der »config.sys« könnte (für NE2000-kompatible Karten) beispielsweise »device=ne2000.dos« heißen. Der Protokollmanager »protman.dos« (aus dem Windows-Arbeitsverzeichnis) verwaltet den Ablauf. Er wird mit
device=C:\windows\protman.dos /i=c:\windows
initialisiert. Diese Zeile muß vor den übrigen Netzwerk-Steuerzeilen stehen.
device:=C:\windows\workgrp.sys
verwaltet das Net-BIOS. Je nach Konfiguration und Ausstattung des Rechners lassen sich die Treiber versuchsweise in den hohen Speicherbereich über 640-KByte legen. In der »autoexec.bat« passiert im Vergleich dazu nicht sehr viel, Sie müssen lediglich »C:\windows\net start« eingeben, um den Rechner an eine Arbeitsgruppe anzubinden. Zahlreiche zusätzliche Ini-Dateien, Laufzeitbibliotheken und interne Systemtreiber passen den Windowsgemäßen Dienst an. In der »protocol.ini« speichert Workgroups alle Einstellungen über die Netzwerkkarten sowie die installierten Treiber und Protokolle, die »protman.dos« beim Booten einliest.
STOP Sollten Sie den Kommandoprozessor »command.com« nicht im Hauptverzeichnis, sondern in einem Unterverzeichnis installiert haben, bleibt der Rechner beim Neustart hängen.
Peer-to-Peer - Gleichheit für alle
Der Eintrag mit dem Verweis auf den neuen Aufenthaltsort (mit »set comspec=«) muß vor dem Befehl zum Netzstart stehen. Die sicherste Methode ist jedoch immer noch, je eine identische Kopie von »command.com« im DOS- und im Hauptverzeichnis vorrätig zu halten. Empfehlenswert ist es auch, stets eine neutrale Startdiskette mit einem Editor zur Bearbeitung der Konfigurationsdateien bereitzuhalten.
TIPIn der »config.sys« soll der Eintrag »lastdrive=z« stehen.
Damit gewährleisten Sie, daß Ihnen der Dateimanager eine ausreichende Anzahl an Laufwerksbuchstaben anbietet. Der Befehl »Datenträger-Netzlaufwerk verbinden...« kann sonst an fehlenden Laufwerkbuchstaben scheitern.
In einer Arbeitsgruppe ist es beispielsweise sinnvoll, wenn jedes Mitglied seinen »eigenen« Buchstabenvorrat zugewiesen bekommt, damit sich auch eventuelle Mitbenutzer schneller an dessen Rechner zurechtfinden. Der scheinbar große »Zeichenvorrat« ist dann schneller ausgeschöpft, als Sie denken.
Geben Sie als Installationslaufwerk ein komprimiertes Laufwerk an, werden die Dateien »workgroup.sys«, »protman.exe«, »protman.dos«, »protocol.ini« und »proh.msg« nicht im Windows-Arbeitsverzeichnis, sondern im Hauptverzeichnis untergebracht. Je nach Installationsvorgabe können weitere Exe- oder DOS-Dateien dabei sein. Es ist jedoch normalerweise kein Problem, alle Dateien wieder in das Windows-Arbeitsverzeichnis zu verschieben, sofern Sie die Pfade in den Konfigurationsdateien anpassen.
Windows für Workgroups 3.1 kann im Standard- und im Erweiterten Modus arbeiten. Die Vorzüge der Ressourcenfreigabe stehen jedoch nur in der erweiterten Betriebsart auf 386-Rechnern zur Verfügung. Nur die 386-Betriebsart setzt die volle Leistung frei, bei der Sie Festplattenlaufwerke beziehungsweise -verzeichnisse und Drucker oder CD-ROM-Laufwerke mit anderen Teilnehmern teilen. Zuständig ist dafür der virtuelle Treiber »vserver.386«. Im Standardmodus kann Windows für Workgroups lediglich auf Verzeichnisse und Drucker anderer (386-) Rechner zugreifen: immerhin eine ganze Menge, um die Fähigkeiten eines betagten Systems mit wenig Aufwand zu erweitern.
Mit Schutzmechanismen à la Kennwortvergabe ist es in Workgroups für Windows nicht sehr weit her. Sie können zwar (scheinbar) gesicherte Namen vergeben, doch finden Sie die Einträge indirekt in der »system.ini« im Abschnitt »Password Lists«. Dort ist nachzulesen, wo die Paßwortdateien mit der Endung »pwl« gespeichert sind und wie sie heißen. Haben Sie Ihr Login-Kennwort vergessen, löschen Sie einfach den betreffenden Dateinamen. Starten Sie Windows für Workgroups neu, fordert Windows die Vergabe eines Paßworts an, als wäre niemals etwas Derartiges vergeben worden. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt, denn dieses Verfahren schafft zwar Schutz vor der eigenen Vergeßlichkeit, sichert aber in keiner Weise den Datenbestand und Konfigurationen an einem Arbeitsplatz.
Jedes Gerät nimmt im Gegensatz zu herkömmlichen PC-Netzwerken gleichberechtigt an der Datenkommunikation teil. Es gibt also keinen Versorger, den zentralen Server, von dem alle andere Arbeitsplätze abhängig sind. Daß so ein Netzwerk einmal stillsteht, weil der Server es so will, trifft hier also nicht zu. Jedes Mitglied der Workgroup entscheidet selbst, welche seiner Rechnerressourcen es welchem anderen zur Verfügung stellt.
Niemand ist von einem Systemverwalter abhängig, der bestimmte Anwender in einer Gruppe organisiert und ihnen bestimmte Zugriffsrechte einräumt oder auch wieder wegnimmt. Diese Entscheidungen werden im Peer-to-Peer-Netz an jedem Arbeitsplatz getroffen. Die Selbstverantwortung steigt dadurch natürlich enorm an, ganz zu schweigen von der freiwilligen Selbstdisziplin, die im Vergleich zu einem zentral verwalteten System von den einzelnen Teilnehmern aufzubringen ist.
Windows für Workgroups 3.1 können Sie dabei - im Gegensatz zu anderen Peer-to-Peer-Systemen wie Novell Netware Lite oder Lantastic - gemeinsam mit einem »professionellen« Netzwerk betreiben, wobei lokale Ressourcen anderer Mitglieder der Workgroup wie solche des Servers nutzbar sind. Die Zahl der sinnvoll anschließbaren Arbeitsplätze ist naturgemäß begrenzt. Gibt es mehr als 10 bis 15 Teilnehmer, senkt sich die Arbeitsgeschwindigkeit eines solchen Verbunds kräftig ab.
Das hat seinen Grund darin, daß jeder Arbeitsplatz indirekt doch wie ein Server arbeitet, wenn andere Stationen auf freigegebene Ressourcen dieses Platzes zugreifen. In diesem Fall fordert der lokale Anwender die CPU zusammen mit externen Zugriffen. Die Möglichkeit, die Verteilung der Rechenzeit unter Windows für Workgroups 3.1 zwischen externen und internen Zugriffen aufzuteilen, hilft da auch auf sehr schnellen Rechnern mit großzügigem Speicherausbau über 8 MByte nicht sehr viel weiter.
Druckerumschalter inbegriffen
STOP Löschen Sie die Paßwortdatei und ändern Sie den Benutzernamen nur im Notfall !
Ihre alten mechanischen Druckerumschalter können Sie getrost ausrangieren, denn Workgroups erlaubt, den Drucker eines lokalen 386-Rechners mit anderen Anwendern zu teilen. Der Drucker muß dazu auf seinem lokalen Rechner freigegeben worden sein. Sie starten dazu den Druckmanager und führen »Drucker freigeben...« ([Alt-u]) im Drucker-Menü aus.
Damit das auch wirklich funktioniert, muß der Druckmanager auf dem lokalen Rechner aktiv bleiben. Am besten gelingt das, wenn Sie dabei die Option
[Alt-B]eim Starten wieder freigeben
aktivieren und das Programmsymbol des Druckmanagers in die Autostart-Gruppe kopieren.
Um den Drucker von einem entfernten Rechner aus anzusprechen, müssen Sie dort zunächst den passenden Druckertreiber in der »Systemsteuerung/Drucker« installiert haben. Markieren Sie den Drucker und klicken Sie auf »[Alt-V]erbinden...« im Feld »[Alt-A]nschlüsse:« wählen Sie »LPT1: Lokaler Anschluß« und aktivieren anschließend die Schaltfläche »[Alt-N]etzwerk...«. Im Feld »[Alt-F]reigegebene Drucker anzeigen auf:« wählen Sie den lokalen Rechner, an den der Drucker angeschlossen ist. Sie markieren das Gerät im unteren Feld und drücken »OK«. Nun steht dem gesicherten Zugriff auf dieses Gerät auch von entfernten Rechnern nichts mehr im Wege.
Solche Maßnahmen löschen alle bestehenden Laufwerkfreigaben und Netzverbindungen von und zu diesem Rechner.
Aus Anwendersicht ist es nicht ganz einzusehen, daß Microsoft seine Standard-Windows-Version erst ab 4.0 (Windows 95) mit der Netzfähigkeit ausstatten wird. Die Workgroup-Version ist teurer und muß aus lizenzrechtlichen Gründen auch auf jedem am Workgroup-Betrieb teilnehmenden Rechner installiert sein. Für alle, die zunächst einen einzelnen Rechner mit Standard-Windows 3.1 einrichten, obwohl sie kurz- bis mittelfristig ein weiteres Gerät anschaffen wollen, der Hinweis, daß die Normalversion später teurer upgedatet werden muß. Auf die Idee einer Workgroup-Version von vornherein, die OEM (Original Equipment Manufacturer)-Anbieter gegen einen sehr geringen oder gar keinen Aufpreis mitliefern, mag sich kaum jemand einlassen, weil das Setup-Programm für Workgroups davon ausgeht, daß der Rechner mit einer Netzwerkkarte ausgestattet ist. Die entsprechende Abfrage kann aber folgenlos übergangen werden.
Nach der Installation genügen kleine Änderungen in der »system.ini«, um Windows für Workgroups 3.1 auf ungestörten Einzelplatzbetrieb auszurichten. Der Vorteil ist offensichtlich: Neben der Einsparung an Update-Kosten arbeiten Sie mit einem gegenüber Windows 3.1 optimierten und stabilisierten Programm-Kernel und kommen in den Genuß interessanter Zusatzprogramme wie dem Terminkalender, Schedule+. Setzen Sie schließlich einen zweiten Rechner ein, sei es ein Notebook oder ein gebrauchter 386er, benötigen Sie nur noch die Netzadapter, Stecker, Abschlußwiderstände und ein paar Meter Kabel - nicht zu vergessen die zweite Lizenz für den zu koppelnden Rechner.



(c) Jürgen, Richter